Wie alles begann
Manchmal werde ich gefragt, wie ich zu dieser Arbeit gekommen bin. Die Antwort darauf beginnt im Februar 2021 – mit einer E-Mail von einem Fremden.
Damals lud ich in unregelmäßigen Abständen von mir eingesprochene spirituelle Texte auf YouTube hoch. Ursprünglich hatte ich diese Aufnahmen für meine eigene Meditationspraxis produziert, entschied dann aber, sie mit interessierten Menschen zu teilen. Die Videos waren tief spirituell und fanden entsprechend nur wenige Zuschauer.
Doch dann schrieb mir dieser Unbekannte. Er wollte Kontakt, ohne zunächst zu erklären, warum. Ich antwortete höflich, dass ich viel zu tun habe – was stimmte. Seit 2009 bin ich Invalidenrentner, aber das hat an meiner Betriebsamkeit nichts geändert. Ich dachte mir: Wenn es wirklich wichtig ist, wird er sich wieder melden.
Zwei Tage später tat er genau das. Er betrieb selbst einen spirituellen YouTube-Kanal und war dort ziemlich erfolgreich. Seine Botschaft: Ich sollte versuchen, mehr Menschen zu erreichen. Meine Stimme habe ihn berührt, und etwas habe ihn dazu bewegt, mir das zu schreiben – obwohl er normalerweise keine E-Mails an Fremde verfasst.
Der Wendepunkt
Zeitgleich sah ich mir eine Nahtoderfahrung auf YouTube an. Ich schaue die meisten Videos auf Englisch oder Spanisch, weil ich beide Sprachen spreche und so Zugang zur internationalen Gemeinschaft führender Denker erhalte. Diese eine besondere NTE berührte mich emotional sehr stark – so sehr, dass ich spontan beschloss, die Geschichte zu übersetzen, auf Deutsch einzusprechen und zu produzieren.
Das Video traf einen Nerv. Es erreichte unzählige Menschen – weit mehr als alles, was ich zuvor veröffentlicht hatte.
Die E-Mail dieses Fremden und das große Interesse an der NTE – beides geschah zur gleichen Zeit. Ich empfand es als Aufforderung. Die Arbeit als Sprecher und das Thema selbst faszinierten mich. Etwa eine Woche später entschied ich mich, der Sache eine echte Chance zu geben.
Die Vorgeschichte
Natürlich hat auch das eine längere Geschichte. Sie begann Ende 2007, als ich bei einem schweren Unfall meine Wirbelsäule stark verletzte. Ich wurde arbeitsunfähig. Das bedeutete große Veränderungen für unsere junge Familie – aber auch, dass mir fortan relativ viel Zeit für mich selbst zur Verfügung stand.
Diese Einschränkungen führten mich auf einen Weg der spirituellen Selbstfindung. Viele Fragen taten sich auf. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass alles genau so kommen sollte. Bereits als Kind und Jugendlicher stellte ich mir eigenartige Fragen, aber damals lief das oberflächlich ab – ich war zu sehr mit meinem normalen Leben beschäftigt.
Ich erinnere mich an Raymond Moodys „Leben nach dem Leben“, das meine Eltern Anfang der 90er gekauft hatten. Ich las es mit großem Interesse. Auch andere ähnliche Bücher standen im Regal meiner Eltern. Doch zu Hause wurden diese Themen eigenartigerweise nie diskutiert.
Der frühere Weg
Erst mit 29 oder 30 Jahren begann ich, mein Leben systematisch zu hinterfragen. Ich hatte das klaustrophobische Gefühl, beruflich festzustecken. Ich arbeitete für eine große Firma im Vertrieb und Marketing – ein sehr guter Arbeitsplatz, aber nichts für meine wahre Natur.
Schon als Teenager hatte ich meiner inneren Stimme nicht Folge geleistet und stattdessen eine Karriere verfolgt, die finanziellen Erfolg versprach. Naiverweise hoffte ich, so die Welt bereisen zu können. Mit circa 30 wurde mir bewusst: Ich hatte die falschen Ziele verfolgt. Ich spürte, dass ich dauerhaft unglücklich werden würde, wenn ich mein Leben nicht in neue Bahnen lenkte.
1999 ergriff ich die Gelegenheit, nach Spanien zu gehen. Dort gab es wirtschaftlich ein blühendes Umfeld. Es war radikal, aber ich war extrem unglücklich. Instinktiv wusste ich, dass der alte Pfad zu nichts Gutem führen würde. Manche dachten, das sei ein großer Fehler – und natürlich ging erst einmal alles schief.
Das Leben in Spanien
Es gab Reibereien mit den Menschen meines Umfelds. Niemand hatte böse Absichten, aber jeder hatte seine eigenen Vorstellungen und Ziele. Geschäftlich entwickelte sich alles anders als geplant. Wie bringt man Gott zum Lachen? Man erzählt ihm seine Pläne. Gott muss gut gelacht haben über mich.
Nach etwa einem Jahr waren meine Ersparnisse fast aufgebraucht. Ich hätte in die Heimat zurückkehren können – meine Qualifikationen hätten das ermöglicht. Doch trotz finanzieller Sorgen war ich grundsätzlich glücklich. Meine Seele konnte endlich durchatmen. Es gab keine Sicherheit, keine Hilfen – aber ich war einfach glücklich. Zum ersten Mal in meinem Leben lebte ich voll und ganz eigenverantwortlich.
Ich erinnere mich, wie ich damals gründlich überlegte, wie es weitergehen sollte. Meine Intuition führte mich. Ich wusste, dass ich auch wieder als Kellner arbeiten könnte, wie in meinen Studentenzeiten. Ich würde nicht durch einen Riss im Universum verschwinden.
Das war die zweite und endgültige Entscheidung gegen die Karriere aus meinem Wirtschaftsstudium – und eine Entscheidung für ein Leben, das mir das Gefühl gab, selbstbestimmt und erfüllt zu sein.
Eine neue Familie
In dieser Zeit, als ich finanziell ganz unten war, lernte ich meine Frau kennen. Ich fühlte mich weniger allein und konzentrierte mich darauf, mein Leben auf stabile Beine zu stellen. Die nächsten acht Jahre arbeitete ich erfolgreich als selbständiger Handwerker. Es gab viel Arbeit für einen jungen Mann, der fleißig war und keine Scheu hatte, hart zu arbeiten.
Als Handwerker war ich ziemlich glücklich. Ich konnte sehen, was ich geschaffen hatte. Meine Kunden waren zufrieden. Ich arbeitete an der frischen Luft mit meinen Händen – kreativ, gut bezahlt, mein eigener Chef.
Zum Zeitpunkt meines Unfalls war ich vier Jahre verheiratet und hatte eine zweijährige Tochter. Mit dem Unfall begann ein neues Kapitel.
Die spirituelle Reise
Ich war fast vierzig und hatte all die Erfahrungen gemacht, die ich machen wollte. Als Familie mussten wir große Anpassungen vornehmen – aber es gelang uns. Vielleicht war das einer dieser Momente, in denen man feststellt, dass weniger durchaus mehr sein kann.
In diesem Umfeld begann meine intensive, lange spirituelle Reise, die immer noch anhält. Meine private Forschung zum NTE-Phänomen bringt all die Elemente der letzten Jahre zusammen. Die Puzzleteile fügen sich zusammen. Viele Elemente der Geschichten von den Rückkehrern kann ich aus vergangenen Studien und eigenen praktischen Erfahrungen wiedererkennen. Die Dinge ergeben Sinn.
Ich lebe seit dem Unfall mit chronischen Rückenschmerzen, was besonders in den letzten Jahren meine körperlichen Aktivitäten einschränkt. Doch alle Teile meines Lebens scheinen sich magisch zu einem größeren Bild zusammenzufügen. Ich erkenne, dass es so etwas wie Lebensaufgaben gibt. Ich kann die Hindernisse würdigen, die mir in den Weg gelegt wurden – und mir vorstellen, dass alles genau so geplant war.
Was ich gelernt habe
Mir ist heute völlig klar, dass das Leben klar getrennte Kapitel hat. Es macht keinen Sinn, sich gegen diesen Wandel zu wehren. Es ist eine wertvolle Kunst, neue Kapitel schnell zu erkennen und zu akzeptieren – ohne Trauer über das Vergangene. Etwas Neues präsentiert sich bereits, und das mag das Beste sein, was uns überhaupt passiert.
Seit Frühjahr 2021 bin ich von der Aufgabe in Beschlag genommen, das Phänomen der Nahtoderfahrungen in die Welt zu bringen. Daraus ist viel Verständnis gewachsen – für dieses Leben, seine Chancen, seine Art zu leben, und für die Frage, wer wir wirklich sind. Meine Liebe zum Leben wächst ständig. Ich bereue nichts. Ich bin niemandem gram. Es ist alles gut, so wie es ist.
Ich habe gelernt, eine aktive, positive Grundeinstellung zu allem zu entwickeln, was kommt – mit anderen Worten: ein sehr großes Gottvertrauen.
Ich wollte niemals ein Leben voller Langeweile. Ich wollte aufregende Zeiten. Und siehe da: Genau das habe ich bekommen.
Ich weiß nicht, ob ich so denken würde, wenn ich nicht gelernt hätte, das Beste aus allem zu machen – wenn der Wind hart und kalt ins Gesicht bläst. Wie man loslässt. Wie man dem Leben einige Geheimnisse entlockt und sie anwendet. Gerade die Reise mit chronischen Schmerzen hat so viele Erkenntnisse gebracht.
Ich bin dankbar für alle Menschen in meinem Leben – Hunderte, wenn nicht Tausende bis heute. Ohne all diese Menschen hätte es mein Leben nicht gegeben. Und das macht deutlich, wie wir alle miteinander verbunden sind – von Anfang an, über Generationen hinweg. Wir sitzen wirklich alle im selben Boot.
Das Leben fühlt sich an wie eine Zeit der Wunder, wenn ich lerne zurückzutreten, die Dinge nicht zu ernst zu nehmen und mein Leben vom Prinzip der Liebe leiten zu lassen.
